Erfahrungsbericht: So nutzt die Berliner Polizei Snapchat

Die Berliner Polizei ist die einzige deutsche Polizeibehörde mit einem eigenen Snapchat Kanal und snappt  seit Juli 2016 rundum den Alltag der Berliner Polizei. Das Social Media Team nutzt Snapchat, um ein junges Publikum zu erreichen, ein modernes und positives Bild der Berliner Polizei zu vermitteln und mit allen Interessierten über Snapchat ins Gespräch zu kommen. Wir haben Benjamin Raschke vom Social Media Management Team interviewt und ein paar sehr interessante Insights aus dem Snapchat-Alltag der Berliner Polizei erfahren. Viel Spaß beim lesen.

v.l.n.r.: Kriminaloberkommissarin Monique Pilgrimm, Gewerbehauptkommissarin Yvonne Tamborini (Teamleiterin), Polizeioberkommissar Jörn Iffländer, Polizeikommissar Benjamin Raschke, Gewerbeoberkommissar Matthias Klein, nicht im Bild: Kriminaloberkommissarin Andrea Keune, Quelle: Foto Berliner Polizei 2017

1. Stellen sie sich doch erstmal vor. 🙂 Was ist ihre Position und was genau sind ihre Aufgaben?

Hallo, mein Name ist Benjamin Raschke. Ich bin 33 Jahre alt und arbeite im Social Media Team der Polizei Berlin. Gemeinsam mit fünf weiteren Kolleginnen und Kollegen betreuen wir die Social Media Accounts unserer Behörde auf Twitter, Facebook und Snapchat. Auf diesen informieren wir über unsere Arbeit oder polizeiliche Themen, die uns aktuell bewegen. Die Bandbreite ist dabei so vielseitig, wie unser Beruf. Wir berichten zum Beispiel über spektakuläre Festnahmen, größere Verkehrsunfälle, gesuchte Personen oder geben Hinweise, wie man sich vor Straftaten schützt. Aber auch bei größeren Einsätzen informieren wir live über das Geschehen. Von Zeit zu Zeit nutzen wir die Accounts auch für gezielte Kampagnen über kurze Zeiträume. Aktuell haben wir gerade einen Snapchat Takeover zu laufen. Noch bis zum 16. Juli snappen unsere Studierenden Leonie (20) und Paul (20) über ihren Alltag in der Polizeiausbildung.


Quelle: Foto Berliner Polizei 2017

2. Wann sind sie bei Snapchat gestartet? Warum haben sie mit Snapchat angefangen? Was sind die Ziele/die Motivation?

Wir sind am 07. Juli 2016 auf Snapchat gestartet und haben seinerzeit mit einer Live Begleitung unserer Kolleginnen und Kollegen auf der Messe YOU2016 begonnen.

Bei der Betreuung unserer Social Media Accounts achten wir darauf, dass wir dort kommunizieren, wo sich unsere Zielgruppe befindet. Mit Twitter und Facebook sind wir auf zwei Social Media Plattformen inzwischen gut vernetzt mit unserer Community. Um insbesondere auch als Arbeitgeber ganz junge Menschen zu erreichen, entschieden wir uns auch auf Snapchat einen Account im Namen der Polizei Berlin zu eröffnen.

Wir sind bislang die einzige deutsche Polizeibehörde, die offiziell auf Snapchat vertreten ist.

Durch unseren Snapchat-Account soll das moderne und positive Bild der Polizei Berlin in der Öffentlichkeit weiter gestärkt werden.


Quelle: Foto Berliner Polizei 2017

3. Wen wollen sie auf Snapchat erreichen?

Wir kommunizieren mit allen, die mit uns auf Snapchat ins Gespräch kommen wollen. Unser Hauptaugenmerk liegt aber ganz klar bei den potentiellen Ausbildungsplatzsuchenden im Alter von 16 bis 29 Jahren. Snapchat ist die einzige Plattform auf der auch wir als Behörde alle zunächst erstmal mit „Du“ ansprechen –sollte jemand um ein „Sie“ bitten, kommen wir der Bitte natürlich nach.

4. Wie hat sich die Reichweite seit dem Start entwickelt? Ist Snapchat bereits ein relevanter Kanal für ihre Ziele?

Wir sind zufrieden mit der Entwicklung der Reichweite. Die Followerzahlen steigen kontinuierlich. Die Reichweite ist dabei nicht alleiniges Kriterium für eine Relevanz des Kanals. Die Kommunikation ist von hoher individueller Qualität. Viele junge Menschen verwenden die Chatfunktion, um uns inhaltliche Fragen zum Beruf zu stellen oder uns in alltäglichen Situationen auf „kurzem Weg“ zu erreichen. Man merkt deutlich, dass sie sich dabei in ihrer mobilen „Wohlfühlzone“ befinden, denn die Chats sind sehr authentisch und bereiten auch uns eine Menge Freude.

5. Über was snappen sie? Content etc.?

Wir achten darauf, dass unsere Snaps stets einen Polizeibezug haben. Das können zum Beispiel alltägliche Meldungen über Straftaten, Festnahmen oder Verkehrsunfälle sein. Darüber hinaus Berichten wir auch über besondere Einsätze unserer Kollegen, wie zum Karneval der Kulturen, dem DFB Pokalfinale 2017, dem Linkin Park Konzert in der Mercedes Benz Arena. Auch herausragende Ad-Hoc Lagen begleiten wir auf Snapchat. Immer dann, wenn unsere Pressestelle zu einem Einsatz hinzugebeten wird, werden auch wir uns bemühen einen attraktiven Blick in unsere Arbeit zu geben. So geschehen bei der Arbeit unserer Sprengstoffexperten auf der Oberbaumbrücke oder auf der Hauptstraße.


Quelle: Foto Berliner Polizei 2017

Quelle: Foto Berliner Polizei 2017

Nach dem Takeover durch die Auszubildenden im mittleren und die Studierenden im gehobenen Dienst prüfen wir gerade, welche weiteren Dienststellen für eine kurze Account-Übernahme in Frage kommen könnten.


Quelle: Foto Berliner Polizei 2017

6. Wie viele Snaps machen sie am Tag/ pro Woche/ pro Monat?

Das hängt von der Anzahl relevanter Meldungen ab. Es gibt keine Pflichtvorgaben. Wir bemühen uns, dass immer Snaps in unserer Story zu sehen sind. Außer am Wochenende, da antworten wir lediglich auf Fragen und snappen nur selten aktiv.

7. Wie sieht eine Snapchat-Woche aus? Wie läuft die Content- und Redaktionsplanung ab?

Es gibt keinen festen Redaktionsplan. Wir bewerten jede Meldung aus dem Tagesgeschäft, ob sie für die Zielgruppe von Interesse sein könnte und berichten dann. Einen starren Redaktionsplan könnten wir im schnelllebigen Alltag einer Behörde mit über 24.000 Mitarbeitenden nur schwer einhalten. Viele Themen ergeben sich erst im Laufe des Tages. Häufig kommen parallel auch Informationen von unseren Kolleginnen und Kollegen, die sich von den Dienststellen an uns wenden und uns mit Fotos und Eindrücken versorgen. Unser Snapchat Kanal ist also immer für eine Überraschung gut.

8. Was muss man bei der Snapchat Content Kreation beachten? Nutzen sie spezielle Tools wie bspw. Photoshop?

Wir achten stark auf das Feedback der Community. Hinweisen oder Kritik stehen wir immer aufgeschlossen gegenüber. Daran wachsen wir, nur so können unseren Output attraktiver gestalten. Zusätzlich tauschen wir uns im Rahmen der Netzwerkarbeit mit anderen Snapchat-Nutzenden aus und profitieren auch hier von den gegenseitigen Erfahrungen. Wir glauben, es ist wichtig sich nicht zu verstellen. Besondere Tools, wie Photoshop, benutzen wir nicht.


Quelle: Foto Berliner Polizei 2017

9. Welche Maßnahmen ergreifen sie zum Reichweitenaufbau?

Wir haben bereits zum Start des Accounts kleine Snapcode-Sticker in den Umlauf gegeben. Diese wurden anfänglich auf der YOU2016 verteilt und liegen inzwischen auf allen Polizeiabschnitten in Berlin aus. Zudem bewerben wir den Snapchat Account natürlich auch auf Twitter und Facebook.

10. Welche Vorteile bietet Snapchat gegenüber Facebook, Instagram und Whatsapp?

Die sehr junge Zielgruppe und die plattformspezifische Individualität sind der größte Vorteil von Snapchat. Die schnellen Löschintervalle halten den Moderationsaufwand in einem überschaubaren und stets aktuellen Rahmen.

11. Welche Rolle spielen Influencer im Snapchat Marketing Mix?

Unser Ansatz ist, dass Social Media Arbeit für eine Behörde möglichst kostenneutral bleiben sollte. Wir weichen davon nur in Ausnahmefällen ab. Unabhängig davon denken wir, dass gerade junge und angesagte Influencer auch auf Snapchat das Interesse an den jeweiligen Accounts steigern und damit auch die entsprechende Marke pushen.

12. Warum ist Snapchat so sinnvoll für die Berliner Polizei?

Auf keinem anderen Kanal vermitteln wir ein so unmittelbares Bild unserer täglichen Social Media Arbeit und von besonderen Einsätzen. Die Inhalte gehen in der Regel ohne eine tiefergreifende Bearbeitung direkt online und spiegeln 1:1 die jeweiligen Situationen wieder. Zudem erhalten die Follower hin und wieder einen Einblick hinter die Kulissen der polizeilichen Arbeit, der ihnen sonst entgehen würde.

13. Wie sehen sie die Entwicklung von Snapchat in Deutschland?

Wir sind gespannt, wie sich Snapchat in Deutschland entwickeln wird. Insbesondere nach dem Börsengang und der immer stärker voranschreitenden Angleichung des Angebots durch Facebook, Instagram und Whatsapp. Die Story-Funktion war anfänglich ein gutes Alleinstellungsmerkmal. Wir hoffen, es gelingt Snapchat weitere kreative Anpassungen der App vorzunehmen.

Das Interview wurde am 6. Juli 2017 mit Benjamin Raschke vom Social Media Management Team der Berliner Polizei durchgeführt.

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